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OER statt Gärtchendenken

Immer noch - oder immer mehr - wird digitale Bildung praktisch ausschliesslich technologieorientiert verstanden und diskutiert. Erst wurden PC-Klassen gefordert, dann Laptopklassen, dann Tablet-Klassen und heute sind wir bei Smartphone-Klassen und BYOD-Versuchen. Getrieben werden diese Wünsche vom Gedanken, dass die Anschaffung von Technologie zu besserer Bildung führen würde. Doch die meisten Hoffnungen erfüllen sich nicht. Es fehlt an Lehr- und Lernideen, didaktischer Innovation, an Technologiekompetenz und - vor allem - an brauchbaren, verfügbaren Unterrichtsmaterialien.

Die kantonalen und schweizerischen "Bildungssteuerer" unterstützen seit Jahren Jahren die Idee der "digitalen Schulbibliothek" mit viel Geld - sehr viel Geld; es dürften mittlerweile einige Millionen Franken sein. Was ist dabei herausgekommen? Ein Sammlung von ca. 500 Einheiten von einem guten Dutzend Anbietern. Es ist ihnen hingegen nicht gelungen, mit viel Geld mehr als einige Schnäppchen für ganz bestimmte Unterrichtsthemen publizieren zu lassen.

Nun ist es nicht etwa so, dass in der Schweiz nicht sehr viel Unterrichtsmaterial verfügbar wäre. Im Gegenteil. Zehntausende von Profis, darunter viele Lehrpersonen, Lehrmittelverlage und pädagogische Hochschulen entwickeln laufend Unterrichtsmaterial. Doch dieses Material, dessen Entwicklung ja bereits vom Steuerzahler finanziert wurde, liegt unter Verschluss. Schulen und Lehrmittelverlage sorgen dafür, dass auch ja nicht jeder Zugang erhält.

Wenn viele Bildungspolitiker und Bildungsexperten immer wieder betonen, wie wichtig Bildung (als einziger Rohstoff) für die Schweiz sei, haben sie wahrscheinlich Recht. Umso unverständlicher ist es, wenn dieselben Politiker und Experten sich nicht viel stärker dafür einsetzen, dass bereits vorhandenes und bezahltes Lern- und Lehrmaterial einem breiteren Publikum verfügbar gemacht wird. Freies Unterrichtsmaterial, das einfach zugänglich ist für all jene, die etwas lernen wollen oder die jemandem helfen wollen, etwas zu lernen.

Es ist höchste Zeit, dass die OER-Initiativen (OER Open Educational Resources) auch in der Schweiz vorankommen und dass diejenigen Wortführer verstummen, die "Bildung für alle" predigen aber eigentlich nur eigene Gärtchen und monopolistisch geprägte Lehrmittelproduzenten schützen wollen.

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